Euerdorf Panorama mit Wappen3

Am 18. April 716 werden Güter zu Euerdorf in einer Schenkungsurkunde des Herzog Hetan II. von Thüringen an den hl. Willibrord übergeben, seine erstmalig namentliche Erwähnung findet der Ort aber erst um das Jahr 788, als Einhard und Engilfrit einen Großteil ihres Besitzes an das Kloster Fulda übertragen. Euerdorf wurde damals "Urithorpe" genannt, was mit "altes Dorf" übersetzt werden kann. Damit bestätigt sich, dass Euerdorf als einer der ältesten Orte im Saaaletal anzusehen ist. Einhard, späterer Berater und Chronist Kaiser Karl des Großen hatte seinerzeit diese Traditionsurkunde seiner Eltern eigenhändig geschrieben.

 

Seit 1430 besitzt Euerdorf sein altes Marktrecht, das seit einigen Jahren durch das Zutun Euerdorfer Gewerbetreibender wieder auflebt.

Zur Zeit des Fürstbischofs Julius Echter zu Würzburg (1573 - 1617) wurde der Marktflecken von einer Ringmauer mit drei Toren umgeben, wovon heute noch Teile der Mauer mit einem Wehrturm und dem oberen Torhaus erhalten sind. Zeugen aus alter Zeit sind ferner die am 5. Febr. 1494 urkundlich erwähnte Willibrords-Kapelle auf dem gemeindlichen Friedhof, das Jagdschloss der Bischöfe von Würzburg bei der Kirche, ein Treppengiebelhaus in der Schweinfurter Straße (Gasthaus zum goldenen Lamm) und die Kemnate, die spätere domkapitelsche Kellerei vor dem Torhaus, sowie viele Bildstöcke und Heiligenhäuschen, die alte Saalebrücke, die 1714 mit einer Statue des hl. Johannes von Nepomuk geziert wurde.

EuerdorfKupferstich

 

Euerdorf war stets ein bedeutender Ort. 1802-1804 wurde hier ein Landgericht geschaffen, dazu kam noch das Rentamt Euerdorf, beiden gehörten 24 Orte an. Das Landgericht, ab 1880 Amtsgericht genannt, wurde im Mai 1925 aufgehoben und dem Gerichtsbezirk des Amtsgerichtes Hammelburg zugeschlagen. Die Katholische Pfarrkirche St. Johannes der Täufer wurde 1602 erbaut, am 15. Sept. 1872 durch Feuer zerstört, im spätgotischen Stil wieder aufgebaut und in den Jahren 1974 bis 1977 durch den Ortspfarrer Karl Memmel und einer spendenfreudigen Bevölkerung stilvoll erweitert. Städtebaulich ist der Ortskern Euerdorfs den Haufendörfern zuzurechnen. Der Gesamtbering umschreibt ein unregelmäßiges Polygon, das von zwei Hauptstraßen durchquert wird. Die eine folgt in südnördlicher Richtung dem Laufe des Euerdorfer Baches, die zweite kreuzt - in westliche Richtung führend - und zweigt vor dem Ortsausgang nach Norden ab. Am Ausgang dieser Straße steht noch ein Torturm.

 

Die nach dem Kriege einsetzende Bautätigkeit beschränkte sich zunächst auf Bereiche in südliche bzw. südöstliche Richtung entlang der St2290 und geringfügig auf der nördlichen Saaleseite entlang der B287. Als Ende 1964 der Bebauungsplan "Alte-Kissinger-Landstraße" rechtsverbindlich wurde, konzentrierte sich die Bautätigkeit auf diesen Bereich. Für den in einem Seitental und zu Euerdorf gehörenden Ort Wirmsthal ließ die Topographie nur die Entwicklung als Straßendorf zu. Die Entstehung Wirmsthals dürfte später als die Euerdorfs einzustufen sein. Eine katholische Kirche wurde 1603 erbaut, der jetzige Bau stammt aus dem Jahr 1823. Außerdem ist Wirmsthal Frankens nördlichstes Weinanbaugebiet. In beiden Ortsteilen zeugen heute noch Denkmäler von der Vergangenheit.

 

EuerdorfBachOffen

In den letzten 20 Jahren haben sich in der Erwerbsstruktur größere Veränderungen ergeben. Während die Zahl der in der Landwirtschaft Tätigen stark zurückging, war beim produzierenden  Sektor und bei den übrigen Bereichen eine ständige Zunahme zu verzeichnen. Die einheimischen Betriebe verfügen über hervorragende räumliche, zugleich aber auch optimale verkaufstechnische Voraussetzungen. Sie sind damit bestens gerüstet, um auch in den nächsten Jahren die Wettbewerbsfähigkeit des traditionsreichen Marktes Euerdorf erhalten und die vorhandenen Arbeitsplätze sichern zu können.

 

Die geschäftlichen Erfolge der Euerdorfer Gewerbetreibenden sind ganz bestimmt nicht allein dem Glück, dem Zufall oder dem natürlichen Wachstum zu verdanken. Entscheidend war vielmehr die Tatsache, dass diejenigen, die für die Betriebe die Verantwortung zu tragen hatten, jeweils die Zeichen der Zeit erkannt und die richtigen Maßnahmen getroffen haben. Darunter befanden sich nicht wenige Weichenstellungen, die manchem Beobachter doch ziemlich wagemutig erschienen.

 

Blickt man heute darauf zurück zeigt sich, dass diese richtungsweisend waren und für die Weiterentwicklung des Marktes Euerdorf den Ausschlag gaben.

 

Ortsgeschichte des Gemeindeteils Wirmsthal

Wenn man von Hammelburg her das Saaletal Richtung Bad Kissingen durchfährt und in Euerdorf ostwärts abbiegt, findet man zwischen Bergen versteckt den kleinen Ort Wirmsthal. Mit dem Namen des Ortes verbindet sich der Ruf, dass hier ein guter Wein zu finden ist. Nach der Meinung der Forscher lässt schon der Name Wirmsthal darauf schließen, dass schon bei der Ansiedlung und Namensfindung der Weinbau das Charakteristikum und die wirtschaftliche Grundlage des Ortes gewesen ist. Die frühere Bezeichnung des Ortes Widermestal – Widmerstal lässt den Schluss zu, dass in diesem Tal der Bewirtschafter eines Widem-Gutes, d.h. einer Pfründe der Kirche oder eines Klosters seinen Sitz hatte. So wird angenommen, dass schon um 715 in Wirmsthal, zur Urpfarrei Euerdorf gehörig, der Hof des Echternacher Weingutverwalters war.

Wirmsthal hat nicht nur in seiner Zugehörigkeit zur Urpfarrei Euerdorf, sondern auch aus sonstigen Gründen den Herrn oft wechseln müssen. Eine besondere Bedeutung mag dabei die Zugehörigkeit zu Fulda, zu Würzburg, zu den Adelsgeschlechtern Trimberg und Henneberg gespielt haben. Insbesondere die Linie Henneberg-Römhild spielt dabei eine bedeutende Rolle, bis Wirmsthal schließlich, wie der gesamte übrige Saalegau, ganz an das Hochstift Würzburg fiel. Eine Zeitlang hatte Wirmsthal seine Tribute auch dem Kloster Aura zu entrichten. Mag die Geschichte nun wahr sein oder nicht, so ist sie jedoch schön, soweit sie nämlich berichtet, dass in dieser Zeit Wirmsthal von dem üblichen Zehnt befreit gewesen sei, dafür aber einmal im Jahr dem Abt von Aura und seinem Gefolge ein Weingelage habe ausrichten müssen.

Wirmsthal soll zu dieser Zeit der reichste Ort der großen Zehnt Aura gewesen sein. Wirmsthal muss in dieser Zeit offenbar auch nicht unbeachtliche Fischwasser besessen haben. Davon zeugt der Name eines Wassergrabens, der heute noch „Röassgrowe“ genannt wird (Reussengraben = Graben zum Aufstellen von Fischreussen).

Neben dem Weinbau war auch der Obstbau von nicht unbeachtlicher Bedeutung. Bis zu der Zeit, als nach dem 1. Weltkrieg die Einfuhr von Südfrüchten immer stärker wurde, ist von Wirmsthal aus Bad Kissingen in hohem Maße mit Steinobst, insbesondere Pflaumen, beliefert worden. Bis in diese Zeit hinein hatten deshalb die Wirmsthaler auch den Spitznamen „Pflammehöike“.

1950 bauten die Gemeinden Euerdorf, Sulzthal und Wirmsthal die Ortsverbindungsstraße zwischen Wirmsthal und Euerdorf – die heutige Kreisstraße KG 7.

Zum 1. Mai 1978 wurde die politische Gemeinde Wirmsthal in den Markt Euerdorf eingegliedert. Diese Gebietsreform brachte schließlich eine Verwaltungsgemeinschaft bestehend aus den Gemeinden Aura a. d. Saale, Euerdorf, Ramsthal und Sulzthal.

 

 

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