Euerdorf Panorama mit Wappen3

Gerichtsgebäude (Der Landrichter und sein Amt)

1804 zog erstmalig Franz Krais als Landrichter in Euerdorf ein. Da Euerdorf noch nicht über ein geeignetes Gerichtsgebäude verfügte, erhielten er und ein Teil seiner Verwaltung erst mal das prachtvolle Fachwerkhaus unterhalb der Kapelle (siehe Station 8 – ehemaliger Fronhof) als Amtssitz. Es befand sich bereits im Staatseigentum.

Der Landrichter verfügte sowohl über Verwaltungs-, Polizei- und Richterkompetenzen und genoss große Autorität. Unterstützt wurde er von einem Aktuar, der meist auch die Anklage vertrat. Erst 1862 wurden Kreisverwaltung und Justiz voneinander getrennt.

In den Anfangsjahren des Landgerichtes fanden der Parteiverkehr und die Gerichtsverhandlungen noch bis 1827 in dem ehemals 1752 errichteten Gerichtsgebäude der aufgelösten Cent Aura statt. Wegen der Kriegsereignisse durch Napoleon hatte man in Euerdorf den Neubau des Landgerichtes erst 1822 in Angriff nehmen können.

Eine weitere wichtige Persönlichkeit am Landgericht war der Gerichtsdiener. Er verwaltete das Gefängnis, die sog. Fronfeste, und nahm auch gewisse Polizeiaufgaben im Landgerichtsbezirk wahr. Ein Gerichtsbüttel, ihm oblag u. a. das »peinliche Verfahren«, wurde dem Gerichtsdiener als Gehilfe beigegeben. In Euerdorf gab es noch bis zum Jahre 1848 die Möglichkeit, mit Stockhieben bestraft zu werden.

Die Fronfeste (das Gebäude im Hof hinten rechts) wurde früher von der Ortsbevölkerung »Mouschele« genannt. Während sich im Erdgeschoss die 4 Gefängniszellen befanden, lag darüber die Dienstwohnung des Aufsichtsbeamten und dessen Familie, die auch die Häftlinge versorgten. Wohl einer der jüngsten Insassen der kleinen Haftanstalt war der 8 jährige Pius Göbel aus Sulzthal. Der hatte 1851 in der Nachbarscheune seines Elternhauses Feuer gelegt. Zwei Gebäude waren abgebrannt. Trotz seiner Kindheit wurde er wegen dieses Vergehens zu zwei Monaten Gefängnis in dieser Fronfeste verurteilt. Nun alleine, in der kalten Zelle eingesperrt, hatte der kleine Bub in den Nächten so furchtbar herzzerreißend nach seiner Mutter geschrien und geweint, dass Gendarmerie-Brigadier Endres, der darüber wohnte, ihn in das Zimmer zu seinen Kindern holte und ihn dort die 8 Wochen lang schlafen ließ. In jeder Hinsicht heute undenkbar,

In den letzten Jahren, vor der Auflösung des Polizeipostens in Euerdorf, wurden die Zellen des kleinen Dorfgefängnisses meist nur noch für Betrunkene zur Ausnüchterung benutzt. Häufig musste dabei ein ehemaliger, aber heute noch ortsbekannter »Zechbruder«, von der Dorfpolizei in Arrest genommen werden, wenn er nach der Sperrstunde mit seinen lautstarken Sangeskünsten das Dorf aufweckte und für heftige Ruhestörung sorgte. Vom Dorfpolizisten in Gewahrsam genommen, ließ er sich dann in seiner Zelle auch weiterhin nicht davon abhalten, sein Liederrepertoir zum Besten zu geben.

Die Bewohner des Ortes hatten zwar nun ihre Ruhe, dafür hatten aber der Dorfpolizist und seine Familie, die über dem Gefängnis wohnten, in diesen Nächten kein Auge mehr zugetan .
Geschichten eben aus der »guten alten Zeit«.

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